Chronik
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FFW Hirschau
 

 

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen, Abteilung Hirschau


Wie alt ist die Hirschauer Feuerwehr? Diese Frage konnte bis heute nicht endgültig geklärt werden, da sämtliche Aufzeichnungen der Feuerwehr beim Brand des Hirschauer Rathauses am 6. Dezember 1923 verbrannt sind. Im Jahr 1928 wurde die gemischte Feuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr Hirschau umgewandelt. Das Protokoll dieser Gründungsversammlung ist das älteste bekannte Dokument der Hirschauer Feuerwehr. Bis zum Jahr 1860 gab es in Hirschau, wie auch bei unseren Nachbargemeinden, nur eine Pflichtfeuerwehr. Sämtliche Männer im Alter von 18 bis 50 Jahren waren damals feuerwehrdienstpflichtig und hatten sich bei einem Feuer am Brandplatz zu sammeln, um mit Ledereimern und sonstigen Gefäßen, die auf dem Rathaus aufbewahrt wurden, den Brand zu löschen.

Es war wohl im Jahre 1860 als sich etwa 50 Hirschauer zusammen taten, um eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Diese bildete zusammen mit der Pflichtfeuerwehr, die weiterhin bestehen blieb, die gemischte Feuerwehr Hirschau. Geführt wurde die gemischte Feuerwehr, zumindest in den Jahren vor 1928, von Feuerwehrhauptmann Martin Kessler; ihre gesamte Sollstärke betrug 120 Mann. Überliefert ist, dass die freiwillige Feuerwehr innerhalb der gemischten Wehr durch Idealismus und Einsatzbereitschaft viel schlagkräftiger war als die Pflichtfeuerwehr.

Mit der Fertigstellung der Hochdruckwasserleitung im Jahr 1928 bekam Hirschau eine fortschrittliche Wasserversorgung. Die Brandbekämpfung wurde dadurch erheblich vereinfacht, so dass die Pflichtfeuerwehr aufgelöst werden konnte. Die 83 Hirschauer Feuerwehrmänner wählten Hugo Fridrich zum Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Hirschau.

In der Zeit vor und während des 2. Weltkrieges betrachtete man die Feuerwehren mehr oder weniger als militärische Einheit und setzte diese mitunter auch entsprechend ein. So musste im Jahr 1934 auf Grund einer höheren Anordnung das gesamte Feuerwehrkorps neu gewählt werden. Hugo Fridrich wurde jedoch in seinem Amt bestätigt. Im Jahr 1936 erhielt die Feuerwehr Polizeigewalt. Überliefert ist auch, dass im Jahr 1939 einige Feuerwehrmänner vom Führerrat aus der Feuerwehr ausgeschlossen wurden und Hugo Fridrich die Entlassung erhielt. Der Landrat bestellte daraufhin Josef Knobel zum kommissarischen Führer der Hirschauer Feuerwehr.

Als die Freiwillige Feuerwehr im Sommer 1949 neu zusammengestellt wurde, gab Josef Knobel sein Amt an Otto Mayer ab. Bei dieser Neugründung gehörten insgesamt 21 Mann der Freiwilligen Feuerwehr an. Die folgenden Jahre waren vor allem durch den Neuaufbau des Feuerwehrwesens bestimmt. Bereits im Jahr 1951 erhielt die Feuerwehr eine Tragkraftspritze – TS 6 –, wodurch die Feuerwehr für die damalige Zeit hervorragend ausgerüstet war. Vier Jahre später wurden Feuerwehrhelme und Dienströcke angeschafft sowie auf dem Rathaus eine Sirene installiert. Pikanterweise geschah die Umstellung von der Alarmierung durch den Hornisten auf Sirene gegen den Willen des Feuerwehrausschusses. Der 8. Juli 1964 ist für die Feuerwehr ein historisches Datum, denn an diesem Tag erhielt die Hirschauer Feuerwehr ihr erstes Feuerwehrfahrzeug. Bei der Übergabe des Löschgruppenfahrzeuges, ein LF 8, feierte die ganze Gemeinde mit. Als dann am 23. September 1967 das neue Feuerwehrhaus eingeweiht wurde, war die Freiwillige Feuerwehr Hirschau für die damalige Zeit sehr gut ausgestattet. Bereits im Jahr 1966 übernahm Adolf Schnitzler die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Hirschau.

Mit der Eingemeindung der Gemeinde Hirschau in die Universitätsstadt Tübingen im Jahr 1971 wurde die Freiwillige Feuerwehr Hirschau eine selbständige Abteilung der Gesamtfeuerwehr Tübingen und der Hirschauer Feuerwehrkommandant dadurch Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen, Abteilung Hirschau.

Da die Hirschauer Feuerwehr schon immer einen sehr guten Ausbildungsstand hatte und auch feuerwehrtechnisch gut ausgestattet war, vollzog sich diese Eingliederung in die Freiwillige Feuerwehr Tübingen in sehr guter kameradschaftlicher Weise. Auch heute noch gilt das Verhältnis unter den verschiedenen Abteilungen der Tübinger Feuerwehr als beispielhaft.

Wegen der völlig unzureichenden sanitären Verhältnisse und des für die inzwischen 35-köpfige Abteilung viel zu kleinen Unterrichtsraumes musste das Feuerwehrmagazin grundlegend umgebaut und erweitert werden. Die Männer der Hirschauer Wehr haben in etwa 1.500 freiwillig und unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden am Bau ihres Hauses in beispielhafter Weise mitgewirkt. Im Rahmen des 17. Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Tübingen, der 1980 in Hirschau durchgeführt wurde, wurden das 120-jährige Jubiläum der Hirschauer Feuerwehr und die Übergabe des erweiterten Feuerwehrhauses gefeiert.

Das erste Hirschauer Feuerwehrfahrzeug aus dem Jahr 1964 war nach 19 Jahren, nicht mehr „feuerwehrtauglich“, d.h. die technischen Geräte entsprachen nicht mehr den Feuerwehranforderungen, auch das Fahrzeug selber war am Ende, so dass eine Ersatzbeschaffung notwendig wurde. Im Oktober 1983 konnte dann das neue Feuerwehrfahrzeug, ein LF 8 auf einem Unimog-Fahrgestell, in Hirschau in Dienst gestellt werden.

Bei der Abteilungsversammlung im Jahr 1984 gab der Abteilungskommandant Adolf Schnitzler nach 17 Jahren sein Amt ab. Zum neuen Abteilungskommandanten wurde Ewald Schnitzler gewählt. 1987 gründete die Abteilung Hirschau, als eine der ersten der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen, eine Jugendfeuerwehr.

Nachdem der Hirschauer Abteilungskommandant Ewald Schnitzler von den Tübinger Feuerwehrmännern im Jahr 1989 zum Stellvertreter des Stadtbrandmeisters gewählt und somit „oberster freiwilliger Feuerwehrmann“ der Stadt wurde, wählten die Hirschauer Feuerwehrmänner Roland Mayer zum neuen Abteilungskommandanten.

Durch den Aufbau der Jugendfeuerwehr und die große Anzahl der Aktiven - die Abteilung war und ist immer noch eine der größten Abteilungen der ehemals selbständigen Gemeinden - wurde ein weiteres Fahrzeug für die Abteilung Hirschau notwendig; auch weil die Abteilung immer öfters zu Einsätzen in das enorm gewachsene Hirschauer Industriegebiet alarmiert wurde. Folgerichtig setzte der Stadtbrandmeister, als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen, dann am 17. Dezember 1992 einen Mannschaftstransportwagen - MTW - von der Abteilung Stadtmitte zur Abteilung Hirschau um.

Bei verschiedenen Einsätzen war die Hirschauer Feuerwehr gefordert. Waren bis in die 80er Jahre fast ausschließlich Brände zu löschen, etwa genauso viele Wald- oder Flächenbrände wie Wohnhausbrände, so nahmen in den vergangenen Jahren die sogenannten „technischen Hilfeleistungen“ erheblich zu. Bei Unwetter oder Hochwasser mussten die Hirschauer Feuerwehrmänner auch schon des Öfteren in Tübingen, Bühl, Derendingen, Lustnau und Weilheim im Einsatz aushelfen.

Außergewöhnliche Einsätze waren der Brand einer Hühnerfarm im Gehrnfeld (beim Neckar) am 1. Dezember 1962, bei dem die Feuerwehr 26 Schweine, vier Ziegen und 70 Hühner retten konnte. Bei grimmiger Kälte wurde die Wasserversorgung vom Neckar her aufgebaut.

Einer der wohl größten Brände in Hirschau war ein Großfeuer eines Möbellagers am 10. April 1983 im Fährenweg. Obwohl die Abteilung Hirschau zusammen mit der Abteilung Stadtmitte im Einsatz war, brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder.

Die Abteilung Hirschau hat in den vergangenen Jahren konstant 26 bis 29 Aktive, ca. zehn Jugendliche in der Jugendfeuerwehr und 17 Kameraden in der Altersabteilung. Durch die immer größer werdenden Anforderungen an jeden einzelnen Feuerwehrmann ist ein intensiver Übungsdienst notwendig. Darüber hinaus pflegt die Hirschauer Feuerwehr im Rahmen der Gemeindepartnerschaft mit Kingersheim/Elsass eine sehr intensive Beziehung zu den Sapeurs-Pompiers in Kingersheim. Zu verschiedenen Anlässen finden immer wieder, auch heute noch, gegenseitige Besuche statt.